„Rauschgold“ – die Schreibsessions
Nachdem sich das Team nicht auf eine Woche Klausur in der Fränkischen Schweiz einigen konnte, folgen die Arbeiten an Cassandra’s Run #6 „Rauschgold” einem vollkommen neuen Ansatz: Wir schreiben tagsüber in wechselnden Kaffeehäusern.

Hermann-Kesten-Style. Nürnbergs vergessener Dichter soll weiland ja auch immer im öffentlichen Raum geschrieben haben. So do we. Mal sehen, ob’s funzt.
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TAG 1
Zum Auftakt gleich mal ein kleiner Auffahrunfall – auch schön. Karre im Arsch, wenigstens sind wir nicht Schuld.
Mit zwei Stunden Verspätung werden in der Brunner Espresso Lounge am Aufseßplatz die Notebooks aufgeklappt. Durch die großen Panoramafenster blicken wir hinaus auf den Schauplatz unseres nächsten Runs. Ansonsten beeinflusst uns die Szenerie vor der Tür nicht weiter. Der Einstieg steht seit Monaten, alle offenen Fragen drehen sich um die Plotline, die Konstellation der Figuren, ihr Ringen und das große Finale. Anders ausgedrückt: In der Mitte rockt es noch nicht so, wie es sollte.

Aber es wird. Um 19 Uhr stellen wir uns im Schocken (jetzt Kaufhof) nebenan vor. Der stellvertretende Geschäftsführer ist offen und freut sich, dass wir bei ihm filmen und Geräusche jagen wollen. Uns stehen alle Möglichkeiten im Haus offen, so lange wir nicht die Kundschaft vergraulen.
TAG 2
K&K-Fans wissen: „Folge den alten Tanten”. Der Pfifferling ist an der Reihe, seine Wahl fällt auf ein psychedelisches Oma-Café in der wilden Südstadt. „Prima Life” – und der Name ist kein Witz. Vorne Bäckerei, hinten Café, wo seit vier Dekaden nix mehr gemacht wurde. Riecht sogar noch Original wie in den 70ern.

Sauleckere Torten und eine üppige Mittagskarte, dazu Classic Rock aus dem Radio, bis die Ohren glühen. Umrundet von schnatternden Omis halten wir die Bedienungen auf Trab und machen einen schicken Deckel. Wir hauen wir uns mit Kaffee und Kuchen, Bier und Fleischspeisen voll, sind nebenher fleißig und packen unsere Laptops erst ein, als das Personal um 18 Uhr zuschließen will.
Am Ende eines langen Tages steht der Plot, nur noch Detailfragen sind offen. Die Dynamik stimmt, es scheint auf eine Action-Folge hinauszulaufen.
Wir ziehen weiter ins „Prisma”, wo uns zumindest das Weltnetz wieder hat. Morgen geht es an die Dialoge.
TAG 3
Tag 3 startet im „La Violetta”. Eines der schönsten Cafés in der City, jedoch leider nur bedingt Notebook-tauglich.

Vor allem mangelt es an Strom. Um an die nächstgelegene Steckdose zu gelangen, müsste man das Schränkchen mit dem Tafelsilber verrücken, was uns sehr mühsam dünkt. Wir schreiben, so lange die Akkus halten, mampfen die sauleckere Mohn-Marzipan-Torte auf und wechseln mit sinkendem Batteriestand ins „Opera”.
Das ehemalige Passagencafé nennt sich nach dezent-geschmackvoller Renovierung jetzt Lounge und wird von einer jungen, rassigen Spanierin geführt. Die versorgt uns mit Koffein, Tapas, Tiramisu und vor allem mit Strom.

Mit den Geschwistern Radeberger und Estrella lässt es sich droben auf der Empore aushalten. Trotz frischem Pinsel ist hier die Zeit stehengeblieben. Wäre auch mal ein netter Ort für einen Run, dieses versteckte kaffeehaustechnische Kleinod. Zu den einlullenden „Melodien für Millionen” (die einschlägigen Welthits der Rock- und Popmusik im Richard-Klayermann-Stil) gehen munter die Fingerchen. Im Laufe eines langen Nachmittags hieven wir munter die ersten Szenen aufs Papier.

Am Abend Vortreffen mit dem Filmteam im „Engel” in Schoppershof. Alles läuft wie am Schnürchen, am Vormittag hatte NorCon-Transports die VAG sogar noch die beantragte Drehgenehmigung gefaxt. Mit nettem Zusatz im Anschreiben: „Als Hörspielfans kennen wir Cassandra’s Run natürlich, wir wünschen gutes Gelingen beim Dreh.” Die brainZ sitzen echt überall.
TAG 4
We shoot the Videotrailer! Mit Kamera, Handschellen, Silberkoffer und Equipment treffen sich Dr. 4Auge, DJ Rossi und der Karpfen im Einbruch des Mittags am Aufseßplatz.

Wir beginnen unter Tage und arbeiten uns über die Straße hinauf ins Parkhaus und über die markante Brücke hinein in den Schocken („Zombies im Kaufhaus”
. Der Geschäftsführer kommt vorbei und überreicht uns freudestrahlend Drehgenehmigungen zum Anstecken. Am frühen Nachmittag sind alle Aufnahmen im Kasten, und das Team darf dönern. Wenn alles auf diesem Planeten derart flott, problemlos und geschmeidig von der Hand ginge – diese Welt wäre definitiv ein besserer Ort.
 TAG 5
Wieder „Prisma”. Der Karpfen und der Pfifferling basteln an unterschiedlichen Wegen, verzahnen sich … und treiben die Dialoge weiter voran. Zumindest auf dem Papier könnte das neue Abenteuer funktionieren. Noch mag sich kein Fehler finden.
Cassandra schaut vorbei, man nimmt ein gemeinsames Mittagsmahl beim Muselmanen an der Ecke ein. Dann weiter im „Prisma”, bis die Sonne untergeht.
TAG 6
Schreibsession im Hummelnest: Da Cassandra in der Uni weilt, quartieren sich der Pfifferling und der Karpfen in der Küche unserer Runnerin ein und tippen munter weiter an den Dialogen. Der Bodycount steigt stündlich, und das ist keine gute Nachricht.
Am frühen Nachmittag rituelle Dönerung im Mevlena: Dr. 4Auge und Lebensabschnittsgefährtin bekommen die Story erstmals komplett und kompakt präsentiert. Die beiden stellen viele Fragen, ein paar kleinere Logiklöcher klaffen auf. Doch im Grunde scheinen der Doktor und die Dame durchaus angetan.
Zurück im Hummelnest schreiben wir in den Sonnenuntergang hinein. Wieder zu Hause in seiner Höhle empfangen den Karpfen gute Nachrichten: Nils (aka Dr. Nilsen
hat Wort gehalten und neue Musik geschickt …